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Glasmacher
| Sonntag, 13. Jul. 2014

Seit zwei Jahren präsentiert die Galleria il Salice in Castasegna Künstler von nah und fern.

Derzeit ist die Reihe an einem Einheimischen, der auszog, das Glasmacherhandwerk zu erlernen.
Sehr viele Objekte sind es nicht, die im kleinen, aber hohen und lichten Ausstellungsraum zu sehen sind, aber sie haben Klasse. Auf einer Konsole an der einen Wand stehen Glasbehälter aufgereiht, eine Art Bonbonnieren, jede in einer anderen Farbe und mit einer unterschiedlichen Neigung: Ein untrügliches Zeichen dafür, dass es sich um handgemachte Objekte handelt. In ihnen liessen sich prima Lutschbonbons oder andere kleine Süssigkeiten verstauen. Aber leer sind sie bestimmt schöner. In loser Ordnung teilen sich nebendran viele gläserne Halbkugeln eine Tischoberfläche. In unterschiedlichen Grössen zeigen sie ihr Inneres, das mal zitronengelb, moosgrün, carminrot oder andersfarbig dem Betrachter entgegenleuchtet. Auch diese Objekte sind Gebrauchsglas, aber nicht Massenware: Sie sind nicht perfekt halbrund und stehen deshalb leicht schief auf ihrer Unterlage. Kleine Schüsseln, fast zu schade, um als Gebrauchsgegenstände herzuhalten. Auf einem Podest in der Ecke des zur Galerie umgebauten Stalls thront ein halbmeter grosser dreiarmiger Kerzenleuchter, auch er vollständig aus Glas, jeder Arm in einem anderen Farbton. Eine ganz andere Werkgruppe hebt sich dunkel von der gegenüberliegenden weissen Wand ab: Teller, ebenfalls aus Glas gefertigt. Über den schwarzen Grund schlängeln sich weisse und grüne Linien und bilden ein bewegtes Ornament. «Diese Teller gehören zum schwierigsten, was ich bisher gemacht habe», erklärt Jonas Niedermann.

Risikoreiche Herstellung
Mit «schwierig» meint der junge Glasmacher aus Castasegna den personellen und zeitlichen Aufwand. Es braucht mehrere Arbeitsgänge und drei Personen, um einen solchen Teller von Hand zu fertigen. Auch die Herstellung der Bonbonnieren und der kleinen Schüsseln ist nicht ohne: «Man kann jederzeit einen Fehler machen. Und dann muss man von vorne anfangen.» Das gilt auch für den Kerzenständer: «Ich brauchte sieben Anläufe, um ihn zu fabrizieren.»
Gestalterische Fantasie, handwerkliches Geschick und viel Erfahrung sind nötig, um ein guter Glaskünstler zu werden. Eine zu hohe oder zu tiefe Temperatur, eine ungeschickte Bewegung, und schon hat das Objekt nicht die gewünschte Form oder geht zu Bruch. «Man muss immer hoch konzentriert bei der Sache sein», sagt Niedermann. Dabei ist der Grundprozess immer der gleiche: Das Glas wird eingewärmt, rausgeholt, auf der Pfeife aufgeblasen, umgeheftet, abgekühlt. Die Grundform ist die Kugel, eine Glasblase, die in mehreren Arbeitsschritten an Grösse gewinnt. Muss ein Glasblaser eine besonders gute Lunge haben? – «Nicht mal, aber je kälter das Glas, desto mehr Puste braucht es», erklärt der staatlich geprüfte Glasmacher.
Ausbildung nur im Ausland möglich Niedermann hat seine dreijährige Ausbildung im niederbayerischen Zwiesel durchlaufen, in der Schweiz gibt es keinen Ort mehr, wo man diesen Beruf fundiert erlernen kann. Doch mit dem Diplom ist es noch lange nicht getan. Ohne stetiges «Learning by doing» kommt man nicht weit, vor allem wenn man wie Niedermann sich nicht auf die Produktion von Gebrauchsware beschränken will, sondern künstlerische Ambitionen hat. «Glas ist ein Material, das man nicht so schnell versteht», sagt er. Und so hat der 23-Jährige nach dem Berufsabschluss, der gestalterischen Berufsmatur in Chur und dem Zivildienst am Kunstmuseum Aarau noch einige Wanderjahre vor sich. Er wird von Werkstatt zu Werkstatt pilgern, andere Techniken lernen, Erfahrungen sammeln. Und nebenher seine besten Objekte in Galerien präsentieren und sich einen Sammlerkreis aufbauen. «Aber gleichzeitig zu produzieren, zu entwickeln und zu verkaufen, ist schwierig.» Der junge Berufsmann glaubt trotzdem, dass es ihm eines Tages gelingen wird, von seinem Kunsthandwerk zu leben. Sein Traum: Eine eigene Werkstatt zu haben oder sich eine mit anderen Glasmachern zu teilen.

Im Kontakt mit den vier Elementen
Es gibt sehr wenige Glasmacher in der Schweiz. Niedermann kennt bisher nur sechs, die wie er einen künstlerischen Weg in diesem Metier eingeschlagen haben. Von der Richtigkeit seiner Berufswahl ist er voll und ganz überzeugt: «Ich arbeite gerne mit den vier Elementen Luft, Feuer, Wasser und Erde.» Glas sei ja nichts anderes als Quarzsand, fügt er hinzu. Schon als Junge war Niedermann vom Feuer fasziniert und schnitzte und bastelte gerne. Für ihn war mit sechzehn klar, dass er einen manuellen und gestalterischen Beruf erlernen wollte. Die Frage war nur, welcher das sein soll. «Ich glaube, ich habe meiner Mutter zu verdanken, dass sie erkannt hat, in welche Richtung es gehen sollte.»

Die Ausstellung in der Galleria il Salice ist geöffnet bis zum 26. Juli 2014, jeweils di, do, sa von 16.00 bis 18.00 Uhr.
Autorin: Marie-Claire Jur

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Radiobeitrag RSI zur Vernissage: Oggetti in vetro soffiato I Palazzo Castelmur